Japanolog

猿も木から落ちる。(Selbst Affen fallen von den Bäumen/Even monkeys fall from trees – Japanese Proverb)

„If you wish to keep your word and also to fulfill your gimu (義務 – beinhaltet die rechtschaffene Erfüllung seiner Pflichten in Respekt zu seinen sozialen Beziehungen) you must carefully consider at the outset whether you can accomplish it or not. If you tie yourself to unwise obligations, you may find yourself in a position where you can neither go forwards nor backwards. If you are convinced that you cannot possibly keep your word and maintain righteousness (fulfillment of gimu), you had better abandon your engagement at once.“ Imperial Rescript to Soldiers and Sailors, given by the Emperor Meiji 1882 (Quote: Ruth Benedict Chrysantemum and Sword. Patterns of Japanese Culture).

Shinto oder Zen-Buddhismus in Japan besitzen keine heiligen Bücher oder Dogmen (andere Religionen – alternative buddhistische Strömungen sowie das Christentum verhältnismäßig wenig und der Islam fast überhaupt nicht – spielen kaum eine Rolle). Der gesamte Text allerdings, aus dem die oben zitierten Worte des Meiji-Tenno stammen – ein Traktat übrigens, das im heutigen modernen Japan nahezu vergessen ist – wurde zu seiner Zeit und noch lange danach, bis ins 20. Jahrhundert hinein, heilig gepriesen. Man sollte hierzu bedenken, dass der Persönlichkeit, der Figur des Tenno in Japan eine außergewöhnlich hohe Bedeutung zukommt. Das wurde vielen Leuten aus dem westlichen Kulturkreise zum ersten Male durch die bekanntgewordenen Ereignisse im September 1945 bewusst, als japanische Soldaten, die bereit gewesen waren nötigenfalls auch mit Bambusspeeren gegen die Amerikaner bis zum Tode zu kämpfen, sofort Waffen und Feindseligkeiten fallenließen, nachdem Tenno öffentlich die Kriegsniederlage Japans und die Einstellung der Feindseligkeiten verkündete und dieselben fanatischen Krieger nun die amerikanischen Militärs respekt- und ehrenvoll in ihrem Land als militärische Sieger begrüßten. Die Worte des früheren Tenno aus dem oben erwähnten Text enthalten alles, was die Japaner als Brücke zwischen dem alten, feudalistischen Japan der Edo-Zeit und dem Aufbruch in die Neuzeit akzeptierten. Dieses denkwürdige Manuskript beschreibt wichtige Regeln darüber, wie man ehrenvoll seinen Pflichten nachkommen solle und nicht allein seine persönlichen, familiären Ambitionen und Obligationen (Giri 義理) erfüllt. Es beinhaltet eigentlich Vorschriften an Dienstmänner und Beamte, doch jene Worte erlangten schon bald eine so große Bedeutung, dass sie feierlich in Schreinen aufbewahrt und an nationalen Feiertagen öffentlich verlesen wurden – es soll sogar Selbsttötungen aus Scham/Achtung gegeben haben, wenn ein zum Vortrag Auserkorener eine Zeile falsch gelesen hatte. Ein solcher Suizid/Harakiri 腹切りwird nicht etwa als bedauerliche oder tragische Selbstopferung angesehen, sondern als probates Mittel betrachtet, einen noblen Tod zu sterben, um das Ansehen des Namens zu bewahren (historisch angelehnt an die rituelle Selbsttötung von Samurai, Seppuku 切腹, die damit die Reinheit ihrer Seele offenbarten, die nach altem Glauben im Bauche lag, der während dieses blutigen Ritus aufgeschlitzt wird).

Der japanische Staat entwickelte sich zu einer großen buddhistischen Nation mit spezifischer Ausprägung. Es ist nicht nur so dahingesagt, dass in Japans Kultur einzigartige Ästhetik gepflegt wird und die japanische Gesellschaft in verschiedener Hinsicht unvergleichlich ist – die soziale Schichtung beispielsweise, obschon es auch arm und reich gibt, ist hier augenscheinlich erheblich geringer gestaffelt als in so wohlhabenden Ländern sonst üblich (abgesehen von auffälligen Ausnahmeerscheinungen). Das westliche Konzept von Schuld und Sühne, sowie Leben nach dem Tode, Himmel&Hölle spielen hier zwar keine Rolle; das japanische Leben mit seinem so einzigartigen kulturellen Hintergrund enthält allerdings eine Fülle von ungeschriebenen Regelungen zu Ethos und Moral sowie faszinierende hierarchische Abstufungen, die ein Zugereister auch nach Jahren nur schwer zu durchschauen vermag. Ein für alle Japaner sehr wichtiges Gespür für Fairness ist auf allen Ebenen sehr wichtig, Geschenke unter Verwandten und Freunden beispielsweise werden mit Geschenken in vergleichbarem Werte vergolten. Überdies gibt es auch ein historisch-kulturell entwickeltes Verständnis dafür, in jemandes Schuld zu sein – man sollte bei der Betrachtung Japans nicht vergessen, dass in diesem Lande recht spät die Moderne Einzug hielt und bis ins 19. Jahrhundert Clan-Verhältnisse den Lauf der Dinge bestimmten.

Die Landschaft ist von besonderer Naturschönheit und ätherischer Ausstrahlung geprägt und Japans Einwohner offenbaren ebenso einen robusten Pragmatismus des alltäglichen Lebens wie eine faszinierende Bildungskultur. Der japanische Stolz zeigt sich nicht etwa in der Rückschau auf berühmte Samurai oder erfolgreiche Fürsten der Edo-Periode, sondern beruht auf dem Erfolg der Moderne. Laut einer Erhebung von 2017 (Global Perceptions) ist es das Land mit den am besten gebildeten Bürgern. Wie in jeder menschlichen Gemeinschaft lassen sich natürlich auch Psychopathen und Kriminelle finden, doch erscheint hier die Gefährdung von Menschen durch Verbrechen verschwindend gering und eine lästige Kriminalität, wie ich sie von manchen Stadtvierteln aus Berlin kenne (Diebstähle, Einbrüche, Raub, Drogen-, Gewaltdelikte etc.) ist so gut wie nichtexistent, so wenig wie Parallelgesellschaften, welche die einheimische Kultur oder ihre Gesetze verachteten. In der Regierung der politischen Gruppierung (im Westen als Liberal-Demokraten bekannt) 自民党 Jimintō, die in wechselnden Koalitionen seit einem halben Jahrhundert das Land regiert, ist auch Korruption nicht nur ein Fremdwort, wie es hin und wieder Skandale aus dem öffentlichen Sektor anzeigen.

In keinem anderen Land, in dem ich bislang unterwegs war, gelebt, studiert oder gearbeitet habe, erfuhr ich ein so hohes Maß an Freizügigkeit, Ästhetik und Schönheit, aber auch an Fremd- und Verschrobenheit sowie Misstrauen. Zwar lastet auf den heranwachsenden Generationen ein großer gesellschaftlicher Druck, doch als jemand, der die Gesetze achtet und niemandem auf der Tasche liegt, wird man in keiner Weise bedrängt. Niemand entbietet gleich seine Zuneigung, es überwiegt galante Distanziertheit, die Leute der Nachbarschaft zeigen freundlich-höfliches Interesse und als sehr angenehm empfinde ich es, dass die Japaner nicht so viel reden und dich quasi überall in Ruhe lassen. So manches Mal schwingt eine merkwürdige Stimmung in der zwischenmenschlichen Atmosphäre, denn nicht alle Japaner sind untereinander oder Fremden gegenüber aufgeschlossen und ihre Kooperation ist außerhalb von Krisenzeiten durchaus verbesserungswürdig. Man sagte mir zur Erklärung des japanischen Phänomens 虐め, いじめる (kann man mit Mobbing vergleichen, hat aber auch nicht selten den Selbstmord des Opfers zur Folge), dass in Japan bis zur Edo-Periode unablässig Kriege stattfanden und Clan-Denken und Verachtung von Fremden und Schwachen sich über viele Generationen tradierten. Der einzigartigen Brillanz und Faszination des Landes tut dies aber keinen Abbruch und als Gastfreund oder Kunde wird man stets mit ausgesuchter Zuvorkommenheit behandelt – in Verbindung mit der außergewöhnlichen Schönheit des natürlichen Landes und seiner grandiosen Kultur sind dies eindrucksvolle Aspekte einer ausgesuchten Lebensqualität (Japoneseliberty – Liberty Japanese 😉 ).

Japan hat sich seine Individualität bewahrt und eine wichtige Besonderheit ist sicherlich seine Sprache, die sich keiner bekannten Gruppe eindeutig zuordnen lässt – wenn auch Nähen zu Koreanisch, sowie zu eurasischen und austronesischen Sprachen diskutiert werden – und lange keine eigene Schrift kannte. In der Grundschule werden über 2000 Kanji (japanische Schriftzeichen chinesischen Ursprungs – was es nach meiner Beobachtung Japanern ermöglicht, einige der Beschriftungen im chinesischsprachigen Ausland zu erkennen) in verschiedener Lesart gelehrt – im Alltag, Literatur usw. sollen wohl über 5000 ausreichen; es gibt erheblich mehr, doch nicht einmal Japaner werden eine konkrete Anzahl nennen können, manche Aufzeichnungen geben Zahlen bis 50000 an – die ursprünglich wohl erst von japanischen Gesandten mitgebracht, von Mönchen aus China und Korea vielleicht schon ab dem 4./5. Jahrhundert aus den chinesischen Zeichen weiterentwickelt und zusätzlich mit jeweils 46 Hiragana- und Katakana-Schriftzeichen (Syllabogramme, Kana-Schrift) alphabetisch angereichert wurden, um durch diese Silben- und Lautzeichen die Bedeutung von Texten und Fremdworten in dieser singulären Sprache möglichst genau wiederzugeben. Im 10./11. Jahrhundert war diese Kana-Schrift schon voll ausgebildet und wurde von den wichtigsten Literaten verwendet, wie man aus der Kalligrafie-Ausstellung über die „36 unsterblichen Poeten“ im 3. Stock des Kyoto-Nationalmuseums erfahren kann. Als vergleichbares Phänomen lässt sich die Verwendung der lateinischen Schrift für nicht verwandte Sprachen wie Baskisch, Maltesisch, Türkisch oder die finno-ugrische Gruppe in Europa und in einigen anderen Weltgegenden im Einflussgebiet der europäischen Kolonialmächte betrachten. Unterschiedliche Dialekte gibt es in Japan so wie in Deutschland, wo sich Sächsisch, Bayerisch, Schwäbisch oder Plattdeutsch auch häufig für Außenstehende, die zwar des Hochdeutschen mächtig sind, als unverständlich erweist.

Die so besondere Ästhetik, welche die Japaner traditionell allen Lebensbereichen angedeihen lassen, zeigt sich sowohl in ihrer Weiterentwicklung der ursprünglich chinesischen Bilderschrift, als auch in ihrer künstlerischen Gestaltung derselben (https://japoneseliberty.com/2018/02/26/shodo-japanische-kalligraphie/). Die unterschiedliche Herkunft der Siedler und Bewohner Japans spiegelt sich ebenfalls in ihren Sprachen und Dialekten. Besonders eigenständiges Japanisch, an denen die Sprecher aus dieser Gegend identifiziert werden, wird um Osaka (Kansai), auf Kyushu, Hokkaido und der Tohoku-Gegend nördlich von Tokyo gesprochen. Deutsch gilt in Japan als eine zwar exotische doch bemerkenswerte Sprache, deren Wertschätzung seit der (erzwungenen) Öffnung Japans zur Welt, nach Westen hin, auch darin zum Ausdruck kommt, dass es eine japanische Gesamtausgabe Heideggers gibt. Das Interesse an deutschen Philosophen verbreitete sich in den gebildeten Kreisen Japans ab dem 19. Jahrhundert und einer enger werdenden, politischen Verbindung nach Europa seit Meiji-Tenno (s.u.); Heidegger bemerkte einst, dass Deutsch, neben Griechisch, für die Philosophie eine wichtige Sprache sei, was die Achtung der deutschen Sprache förderte. In Japan bekannt wurde er durch Gelehrte wie Kuki Shûzô (https://japoneseliberty.com/2018/05/15/kuki-shuzos-structure-of-iki-reflections-on-japanese-taste/).

In Japan wird erwartet, dass die Leute – abgesehen von den offensichtlichen Urlaubern – egal woher sie kommen, sich auch Japanisch verständlich machen können. Trotz mehrsprachiger Beschilderung ist hier selbst in Metropolen die Kenntnis westlicher Umgangssprachen wie Englisch nur marginal vorhanden und selbst sehr gut gebildete Akademiker bedienen sich dieser Sprache so gut wie nie, wenn Sie nicht im Ausland arbeiten. Wer eine Weile hier lebt, lernt sehr schnell, dass die Japaner (trotz recht hoher Immigrationszahlen aus asiatischen Ländern, aber wohl auch angesichts negativer Erfahrungsberichte aus anderen Ländern, zur Zeit besonders aus Europa mit seinen anwachsenden Problemen dank verstärkter illegaler Einwanderung vor allem junger Männer unklarer Identität aus Afrika, Vorder- und Mittelasien) sehr gern unter sich bleiben, in ihrem gepriesenen Lande mit seinem hohen Lebensniveau. Der Blick moderner Japaner richtet sich hauptsächlich auf japanische Interessen und Befindlichkeiten. Selbst wenn die Katastrophenhilfe Japans international schnell und kompetent agiert und japanische Katastrophenspezialisten immer bei Bedarf zu Naturdesastern weltweit ausgesandt werden, so ist doch ein übermäßiges Interesse am Rest der Welt in Japan nicht sehr weit verbreitet. In den außenpolitischen Nachrichten liegt hin und wieder noch vor den U.S.A., Europa, Russland oder China die Berichterstattung über den unberechenbaren nordkoreanischen Führer Kim – aus erklärlicher Kriegsfurcht im Angesicht seiner Drohungen; doch innerjapanische Thematik ist im TV im Vergleich zu internationaler Berichterstattung weitaus präsenter: Nachdem in allen Medien die Taten eines äußerlich unscheinbaren Serienmörder, der in seiner kleinen Mietwohnung Leichenteile lagerte, auf verschiedenen Ebenen vielseitig beleuchtet worden sind, dominierte ein kultureller Streit um den Nationalsport Sumo – aufgrund der öffentlich gewordenen Untat eines mongolischstämmigen Sumo-Stars, der einen japanischen Sumo-Ringer gewalttätig erniedrigt hatte. Im Jahre 2014 hatten das erste Mal in der Geschichte des wichtigsten Nationalsports 3 mongolischstämmige Ringer den Titel eines Yokozuna inne (der höchste Rang eines Sumo-Meisters). Dies löste viele Diskussionen aus, auch weil die Sumo-Ringer selbst im alltäglichen Leben mit Haartracht und Kleidung sichtbar einen traditionsbewussten japanischen Lebensstil zu pflegen haben. Daraufhin wiederum erfolgten landesweite Diskussionen um die verminderte Fahrtüchtigkeit von immer älter werdenden Autofahrern, aufgrund der von ihnen verursachten, sich häufenden Unfälle. Und viele weitere innerjapanische Probleme folgen Woche für Woche, Monat für Monat aus sich wiederholendem Sujet.

So manche Thematik ist durch alle Schichten hindurch beliebt; zum Beispiel ist Essen hierzulande zu einem Kult geworden und es gibt wohl keine Fernsehnation, in der sich so viele Sendungen um die Zubereitung und das Tafeln von leckeren Speisen drehen – was bei der herausragenden Qualität und gesunden Vielfalt der japanischen Küche nicht verwundert. Für einen Außenstehenden ist es auch mitunter recht amüsant zu sehen, wie ernsthaft hier so manche Punkte stundenlang abgehandelt werden – da wurden zur letzten Winterolympiade im Fernsehstudio ein paar entscheidende Szenen von Eislauf und Curling nachgestellt, und gerade erst wurde mit Hilfe von originalgroßen Standbildern diskutiert, wie wohl Kim Jong Un (167 cm) und Donald Trump (190 cm) sich bei ihrem Gipfeltreffen die Hände schütteln werden (in Japan selbst wird solches zwischen den Leuten übrigens so gut wie nie praktiziert – zwischengeschlechtliche Berührungen enthalten gar eine sexuelle Konnotation und waren bis vor nicht allzu langer Zeit traditionell verboten).

Seine vielfältig bezaubernde Landschaft, kulturell besonders hochstehende Entwicklung (buddhistische Gelassenheit, religiöse Indifferenz, hohe Innovationsfähigkeit) und sozial tradierte Normen gewährleisten diesem Land eine exzellente Lebensqualität – trotz gewaltiger Inlandsverschuldung der letzten Jahrzehnte (bubble-economy, Finanz- und Bankenkrise), ansteigender Lebenskosten, stets drohender Naturkatastrophen und hin und wieder aufkommender skandalöser Vorfälle, die das ganze Land empören. Bitte nicht zu vergessen, dass das japanische Volk historisch von mühselig arbeitenden (Reisfeld-) Bauern und in schwieriger Existenz stehenden Bevölkerungsschichten abstammt und das Land bis zur Meiji-Reform eher feudalistischen Ländern im vorkolonialen Afrika, denn dem aufklärerischen Europa mit seinem Siegeszug der Industrialisierung nahekam. Der so besondere japanische Lebens- und Kunststil, einst in der Heian-Periode (平安時代 ab 8./9. Jahrhundert; vgl.u.) entwickelt und verfeinert, konnte nur von einer höfischen Minderheit entwickelt und gelebt werden. Im Angesicht ihres vermeintlichen Konservatismus, ihrer spezifischen Traditionen und im Unterschied zu anderen modernen Kulturen zeigt Japan allerdings in so manch herausragendem Aspekt des Lebens einen extravagant-modernen Stil, der von beneidenswerter Offenheit und moderner Frische zeugt (https://t1p.de/caji). Dabei zeigen sich manchmal gewisse Kuriositäten, wie ein ausgeprägter Maskenfetischismus auch im Alltag.

Eine zeitgenössische Hysterie um die Abirrungen der Weltläufte wie „Refugees welcome“ oder „Klimaschutz“ wie es politische Moden in anderen wohlhabenden Ländern wie der deutschen Bundesrepublik ausleben können, wäre in Japan jedenfalls undenkbar. Im Gegensatz zu einigen besonders ambitionierten Politikern, die Deutschland im Austausch für den Schein eines idealen Staates in ernsthafte, seine Zukunft bedrohende Schwierigkeiten zu führen bereit sind (Ruin der €-Währungsstabilität durch Überschuldung und undisziplinierte Finanzpolitik; auf Klima-Spekulationen basierende Zerrüttung der wirtschaftlichen Grundlagen dank luxuriösen, aber dysfunktionalen Aufblähens des Energiesektors; Zerschlagung der nationalen wie europäischen Sicherheit durch ungeregelte Immigration hundertausender, teils destruktiv agierender Männer im gefährlichen Kampfesalter aus diversen Krisengebieten dieser Welt), orientiert sich die politische Führungskaste Japans doch auf das Wohl ihres geheiligten Yamato(-Landes). Und da sie unter anderem ihren Anspruch verfolgen, irreguläre Immigration nicht zuzulassen (bei den Zuwanderungszahlen, speziell aus Asien, liegen die Japaner allerdings nach versch. Erhebungen im Vergleich zu anderen großen Industrienationen ziemlich weit vorne), können sie sich wenigstens national auf das konzentrieren, was für sie möglich und nützlich ist. Das Leben in Japan wird auch immer begleitet von jährlichen Taifunen, vom Warten auf die nächste große Erderschütterung, auf ein hoffentlich nicht zu arg werdendes Beben (diese gelten im Shinto-Glauben als Willensäußerungen/Strafen der Götter); alltägliche, kleinere Erdstöße sind über das Land verteilt hier schon Normalität, denn Japan liegt über den Rändern und Spannungszonen von vier größeren tektonischen Platten und in der kontinentalen Einflugschneise pazifischer Taifune (https://japoneseliberty.com/2018/10/01/taifu-%e5%8f%b0%e9%a2%a8/).

In ihrem Alltag wie im politischen Leben sind die Japaner, vor allem seit sie ihren Vormachtanspruch über Asien nach ihrem verlustreichen und zerstörerischen Pazifikkrieg aufgaben, sehr pragmatisch veranlagt und sie mögen ihre bequeme Versorgung. Die Müllabfuhr ist noch perfekter als in Deutschland organisiert, 24-Stunden-Shops gibt es allerorten, wo es das Nötigste zu kaufen gibt und erwerben lässt sich in Japans Metropolen so gut wie alles (abgesehen von spezifischen Dingen, wie der Autor zu klagen weiß, also z.B. gute Zigarren, für die man spezielle und leider zu seltene Läden suchen muss).

Überflüssiges (wie Ökologismus) oder Überambitioniertes (wie „Klimaschutz“) wird hier ignoriert und eher misstrauisch betrachtet. „Grüne“ Bewegungen spielen kaum eine Rolle und die politischen Grünen (Midori no To 緑の党) sind im Unterschied zum deutschen Bundestag, wo B90/Grünen die anderen Parteien mithilfe von Furchtkampagnen (Klimakatastrophe!) und immer aberwitzigeren Forderungen (100% Stromversorgung aus sog. Erneuerbaren Energien) vor sich hertreiben, parlamentarisch nicht einmal vertreten (https://t1p.de/whk6); auch internationale NGOs wie Greenpeace haben in Japan wenig bis nichts zu melden. Die Japaner wissen recht gut auf sich und ihr Land zu achten – bei den unvermittelt auftretenden Naturkatastrophen ist dies aber eben nur im Rahmen gegebener Optionen/Fähigkeiten möglich und die Vorfälle um Fukushima-Dai’ichi zeigen die Grenzen menschlicher Herrschaft über ihre Technologie auf.

Seine geographische Lage birgt aber nicht nur Gefahren , sondern beschert Japan zum Beispiel auch unnachahmliche heiße Quellen/Onsen, die in ihrer Vielfalt und Qualität weltweit einzigartig sind (https://japoneseliberty.com/2017/11/12/onsen/). Überhaupt spielt Wasser in jedem Aggregatzustand in diesem Land eine enorme Rolle (https://japoneseliberty.com/2017/11/05/wasser-und-kultur/) für Kultivierung und Lebensumstände.

Von besonderer Beschaffenheit ist das landschaftliche Profil dieser überaus fruchtbaren und lang gezogenen Inselkette. Das felsige Hinterland der Hauptinsel Honshu ist schwierig zu bebauen, dicht besiedelt ist seine Pazifikküste und an verschiedenen Buchten dieses Ozeans kommt man vom Küstenstreifen gleich steil ins bergige Land – man steigt sozusagen vom Ufer in die Berge. Wer z.B. in Yugawara/Präfektur Kanagawa an der Küste aufs Fahrrad steigt und sich 2-3 Stunden bergauf abmüht, erklimmt Mt. Hakone (1438 Meter) und genießt als Belohnung der Mühe in einer Richtung den immer wieder bezaubernden Blick auf Fujisan, während zur anderen Seite hin das Auge weit bis über den Ozean schweift. Dieser besondere Berg Fuji 富士山 ist für japanische Verhältnisse auffallend hoch (>3776m) und steht in seiner divergierenden Kegelform über mehrere Präfekturen hinweg einzig und allein weithin sichtbar. Er wirkt wahrlich in seiner Erhabenheit einmalig, als sei er unverrückbar immerdar – verschiedene Kegel und Seen in seinem Umfeld zeigen allerdings seine rabiate Vergangenheit an und historische Aufzeichnungen bestätigen, dass der letzte große Ausbruch gerade mal gut 300 Jahre her ist.

Japan wirkt wie ein bezaubernder karstiger Riegel vor dem asiatischen Festlandsockel, ein über die Jahrmillionen durch die Tektonik zusammengedrücktes Felsenriff. Dieses Eiland fristet geologisch ein unruhiges Dasein aufgrund der unter ihm durch die Kraft magmatischer Feuerwalzen aus dem Erdinnern sich gegeneinander verschiebender vier größerer Kontinentalplatten. Die modernen Bauvorschriften (keine zentrale Gas-Versorgung, also keine verzweigten Gasleitungen, alleinstehende Häuser, erdbebensichere Bauten – verschärft seit dem verheerenden Erdbeben, das Kobe 1995 zerstörte) passen sich diesen Unsicherheiten an. Kleinere Erdbeben, die sich so wahrnehmen lassen, als bringe ein unter der Erdkruste hausender Dämon rhythmisch die Erdkruste zum Schwanken, sind hier an vielen Orten nicht ungewöhnlich und jeder Einwohner erlebt diese mehrfach im Jahr. Neben ungemein reichhaltiger, durch vulkanischen Untergrund und Regen begünstigter Flora, lässt sich als eine andere Auffälligkeit des Naturlebens die außergewöhnliche Häufung verschiedenartiger Greifvögel beobachten, die unermüdlich über den Bergen, Wäldern und entlang der Flüsse und Küsten kreisen.

In ihrer Mehrheit sind die Japaner durch ihre Geschichte als Volk von Nassfeld-Reisbauern geprägt, wenn auch in der Außenwahrnehmung die überaus verfeinerten Kultursitten, die besondere Ausformung des Buddhismus und ein gewisser Samurai-Spirit einer kleinen elitären Führungsschicht besonders bekannt und beliebt geworden sind – der Anteil an Samurai betrug zwar nie mehr als 5 – 6% der Bevölkerung, deren Mentalität spielt bis heute aber, vermittelt durch elitäre Bildung, Lebensstil und herausgehobenen Berufsstand, eine wichtige Rolle (ein wenig so, wie beim Adel Europas). Japan war schon seit Beginn der ersten Einwanderungen schwierig zu besiedeln, da es relativ wenige plane Flächen besitzt, wo Leute leben und Landwirtschaft betreiben konnten. Kleine private Reis-, Gemüse- und Obstfelder zwischen Häuserzeilen oder am Rande von Wäldern sind bis heute üblich. In solchen Siedlungen entfalteten sich eigene Kulturen, eigene Dialekte und jene Inselmentalität, für die ganz Japan bekannt wurde (https://japoneseliberty.com/2018/01/17/ueber-gewisse-eigenheiten/). Schon früh bildeten sich seine Zentren da heraus, von wo auch heute noch das Leben Japans dominiert wird und wo sich das entwickelte, was die Japaner international als ‚Pacific Belt‘ bezeichnen. Zwischen den zwei „Augen Japans“, Osaka und Tokyo, wo der uralte berühmte Wanderweg Tokaido (東海道 herausragend illustriert von Hiroshige und Hokusai) entlang Edo, Nagoya, Kyoto noch heute als Straße Nr. 1 die Lebensadern verbindet. In keiner anderen Gegend wohnen verhältnismäßig mehr Menschen in Japan und nicht nur in den großen Ballungszentren um Osaka und Tokyo geht quasi eine Stadt direkt in die nächste über, sodass man auf der Reise entlang der Küste meinen kann, stundenlang durch eine einzige Metropole zu fahren. Tokyo selbst besteht aus 23 Gemeinden, die wiederum einzelne Städte beherbergen und im Großraum weit mehr als 30 Millionen Bewohner zählt.

Nihon (日本 Sonnenaufgang), wie dieses Land nach chinesischem Brauch wohl zuerst von den koreanischen und chinesischen Mönchen und Lehrern benannt und beschrieben wurde, die ab dem 4./5. Jahrhundert verstärkt ins Land kamen, kannte bis zur Einführung der chinesischen Schrift nur mündliche Überlieferungen seiner reichhaltigen Mythologie. Beste Einsichten in die Legenden und die alte Welt Japans bieten alte Chroniken, zusammengefasst in Sammlungen wie Shoku Nihongi (続日本紀). Folgend der Jōmon- (縄文文化; meine japanische Ehefrau wies mich daraufhin, dass sie in Japan Leute mit spezifischer Physiognomie als alttypisch japanisch, als Jomon-Leute bezeichnen) und Yayoi (弥生時代)- Kultur, unabhängig von den Ainu im Norden, über deren Ursprünge munter geforscht word, lag der Beginn der späteren japanischen Nation wohl in Nara; mächtige Herrscher etablierten dann ihren Sitz im nahen Kyoto und im 12. Jahrhundert begann die Zeit der Herrschaft aus Kamakura, der ersten Shogunate, begründet von Minamoto no Yoritomo 源 頼朝, worauf dann grob gerechnet die Edo-Periode (江戸時代 1603/1615 – 1868) des wahren Shogun und Reichseinigers Tokugawa Ieyasu 徳川 家康 folgte. Neben Oda Nobunaga 織田 信長 und Toyotomi Hideyoshi 豊臣 秀吉 gilt er als der große Reicheiniger, der das Edo-Shogunat begründete und die lange Epoche von Machtkämpfen lokaler Herrscher (Daimyō 大名) mit ihren Kriegsburgen (die als touristische Attraktion wie in Odawara gepflegt und besucht werden https://japoneseliberty.com/2017/05/08/odawara-yabusame/)  beendete. In dieser Zeit wurden die jeweiligen Daimyō zum Betreiben einer Zweitresidenz in Edo verpflichtet, in der sich immer auch ein Teil ihrer Familie, als Geiseln sozusagen, aufzuhalten hatte und die Daimyō regelmäßig zur Aufwartung beim Shogun zu erscheinen hatten. Eine relativ lange Zeit des Friedens begann, eine Epoche der Kulturentfaltung erblühte und verschiedene Festivitäten, die bis heute beliebt sind, wie Sakura/Hanami 桜/花見 hielten für weite Kreise des Volkes Einzug (https://japoneseliberty.com/2018/04/04/sakurahanami-%e6%a1%9c%e8%8a%b1%e8%a6%8b/). Diese Periode neigte sich dem Ende zu mit neu erwachten Handelsinteressen westlicher Staaten (Amerika vor allem und die Briten) und dem Einbruch der Moderne in ganz Asien. Es folgte die Zeit der Meiji-Restauration 明治維新 1868 seit dem Tod des letzten Shogun aus dem Geschlecht der Tokugawa und dem Beginn der Herrschaft des Mutsuhito/Meiji Tenno 明治天皇 bis zu seinem Tode 1912 (https://japoneseliberty.com/2018/11/17/meiji-150-year-memorial-%e6%98%8e%e6%b2%bb150%e5%b9%b4%e8%a8%98%e5%bf%b5/). Aus dieser Zeit rühren enge Verbindungen zu Deutschland, da die Meiji-Restauration, unter dem Motto „Reiches Land – Starke Armee“ stehend, sich zu den Grundsätzen seiner Verfassung von deutschen Staatsrechtlern helfen ließ und zum Aufbau einer modernen Armee preußisch-deutsche Instrukteure ins Land holte. Während die Japaner allerdings ihre Tenno-Herrschaft restaurierten und gleichzeitig das Land modernisierten, erlebte das deutsche Kaisertum nur eine kurze Blüte und verschwand nach der Katastrophe des Ersten Weltkrieges 1918 wieder sang- und klanglos.

In der Heian Periode (平安時代 794 – 1184), deren Spätzeit auch als goldene oder klassische Zeit japanischer Kunst gilt, begann nicht nur die Auflösung der praktischen Macht des den Tenno umgebenden Herrscherhofes, gekennzeichnet durch den Aufstieg lokaler Lehens- und Kriegsfürsten (o.e. Daimyo 大名, Shogun 将軍), sondern auch jene Verfeinerung kultureller und künstlerischer Sitten bei Hof und im Adel, welche die Außergewöhnlichkeit Japans bis heute nach außen hin kennzeichnen und große Werke in Literatur, Poesie und der Theaterkunst hervorbrachten. Die Kunst der Darstellung und ein exzellentes Rollenverständnis sind in allen Schichten der komplizierten japanischen Gesellschaft auf ihre ganz besondere Art sehr hoch entwickelt und erfordern für ihre Interpretation ein sehr feines Gespür (https://japoneseliberty.com/2017/12/31/theater-und-andere-darstellungen/). Zur singulären Entwicklung Japans sollte auch die rücksichtslose, blutige Christenverfolgung im 17. Jahrhundert und die nahezu völlige Abschließung des Landes nach außen hin über mehr als 200 Jahre (鎖国 Sakoku, 1638 – 1853) erwähnt werden, als nur wenigen chinesischen und holländischen Händlern und Emissären der Kontakt zum Hofe des Shogunats in Edo erlaubt war.

Die alten berühmten Herrschaftssitze (Nara, Kamakura, Kyoto und natürlich das in Tokyo befindliche 皇居 Kōkyo, in der Gegend des früheren Edo, wo die Familie des Tenno aktuell in ihren Palastgemächern lebt) werden bis heute in Ehren gehalten und sind durch eine Reihe spektakulärer Bauten und Statuen ausgezeichnet – die besondere Form, die der Buddhismus in Auseinandersetzung mit Shinto und anderen Einflüssen in Japan gewann, ist überaus dominant. Auch wenn für die nachwachsenden Generationen vor allem Zeit und Geld wichtige Faktoren wurden, so spielt doch kulturelle Tradition eine weitaus stärkere Rolle als z.B. bei den Deutschen, bei denen solches vielfach zur seichten Folklore gerann. In vergleichender Sichtweise erscheint Japans Kulturgeschichte, wie sie häufig im Ausland präsentiert wird, doch ziemlich verfälscht durch die Darstellung einer gewissermaßen verkitschten Folklore, welche durch Mangakultur, bestimmte Musikrichtungen in Pop, bzw. die Yamato-Trommler, Hokusai-Zeichnungen oder die künstlerisch hervorragenden Shakespeare-Adaptionen von Kurosawa (Kumonosu-jo, Ran) oder Takeshis Filme (Dolls, Zatoichi) bestärkt wurde. Die Filme von Itami beispielsweise (Steuerfahnderin), welche japanische Befindlichkeiten realistisch aufs Korn nehmen, sind dem Publikum außerhalb Japans nur wenig bekannt. Der heutige Alltag hat sowohl mit diesen wie auch mit jenen nur wenig gemein, wie jeder Besucher schnell feststellen wird. Auch ist das Verhältnis zwischen den Geschlechtern hier zwar von einer patriarchalischen Tradition geprägt, aber im Vergleich zum westlich überspitzten Feminismus oder gar islamisch geprägter Unterdrückung erfrischend offen und modern. Es ist übrigens traditionell die japanische Ehefrau und Hausherrin, die Sorge für die Finanzen der Familie trägt, unabhängig davon, wer wie viel verdient.

Nicht allein seine Geologie, seine lange, recht isolierte Entwicklung und resultierende Homogenität, sondern auch seine kriegerische Vergangenheit sind in vieler Hinsicht unvergleichlich und zeitigen Folgen bis in unsere Zeit. Natürlich hat auch Japan seine dunklen Seiten, wie jeder bestätigen wird, der eine Weile hier lebt und warmherzige Freundschaften sind schon unter Schülern eher unüblich. Es gibt also Gründe, warum ‚Happy Endings‘ in japanischen Filmen selten das Finale krönen.

Beliebt bei einigen (nicht nur deutschen) Touristen sind Bilder mit den an vielen buddhistischen Plätzen dargestellten Swastiken, wobei doch der Unterschied zum Nazisymbol sehr schnell sichtbar wird (schauen Sie selbst 😉 ).

2 Kommentare zu „Japanolog

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