Japans Silver Week (シルバーウィーク, Shirubā Wīku) 2019

Buddhistische oder Shinto Feiertage existieren offiziell in Japan nicht (auch nicht aus anderen Glaubensregionen und christlich-jüdisch-islamische Feiertage gleich gar nicht), nur traditionelle Feste und Ehrungen wie Obon お盆 im August, wo man der toten Vorfahren gedenkt und eigentlich ein Lichterfest feiert, bei geschmücktem Tanz, Lagerfeuern und Lampions.

Obon Dance

Eine unterschwellige Nähe zu Katastrophe und Tod ist den Japanern nicht fremd, die seit Urzeiten mit den unberechenbaren und allmächtigen Kräften aus dem Erdinnern und den wilden Winden des euphemistisch genannten Pazifik zu leben wissen. Und gerade an der Küste, das ist auf schreckliche Weise beim Tōhoku-Beben 2011 deutlich geworden, kann der Tod innerhalb einer Stunde Einzug halten. Hier ganz in der Nähe, am Küstenabschnitt Hiratsuka-Beach, wo während des letzten Taifun vor zwei Wochen ein junger Surfer starb, kommen auch weiterhin gerne Surfer Tag für Tag, um zu üben und sich die Zeit zu vertreiben. Familien und größere Gruppen junger Leute schlagen Zelte auf, feiern ein Fest zu Beginn der Silver Week und zelebrieren das Leben.

Die so genannte ‚Silberne Woche‘ (der Name wurde wie bei Golden Week aus dem Englischen übernommen und wird in Katakana geschrieben) ist nun neben der ‚Goldenen Woche‘, Neujahr und Obon eine für japanische Angestellte weitere Gelegenheit, ein paar freie Tage im Jahr zu genießen. Manche Leute sparen sich die ebenfalls als Zeit des Urlaubs angesehene Obon-Zeit aus dem August auf für diese Woche. Allerdings ist das bezahlte Freinehmen während dieser Zeit unter Büroangestellten nicht gut angesehen, da irgendjemand im Verständnis der Kollegen deren Arbeit mit übernehmen muss – was ein bestimmtes Licht auf die verlangten Anforderungen in der japanischen Arbeitswelt wirft.

Zu Beginn Silver Week am dritten Sonntag im September, und besonders am darauffolgenden Feiertag Montag, zeigt man besondere Achtung und Fürsorge für ältere Leute, Vorfahren 敬老の日 oder auch familiär Großvater, Großmutter おじいさん,おばあさん. Der vierte Montag ist dem Herbst und beginnenden Laubfall gewidmet. Die Leute lassen während Silver Week gerne mal alle Fünfe baumeln, besuchen ihren lokalen Schrein, fahren mit Rad oder Auto in die Berge, aufs Land, an die Küste und lassen es sich bei Angeln&Surfen und in ihren Lieblingsrestaurant (sehr beliebt sind die lokalen, typisch japanischen Izakaya, in denen ich zu meiner Freude nach gutem Essen gute Zigarre oder Zigarillo rauchen kann) gut gehen.

Japaner sind im allgemeinen pragmatisch veranlagt – im Gegensatz zu leicht idealistisch zu verblendenden Deutschen, was sich zur Zeit besonders in Fragen des im Westen als so wichtig beschworenen „Klimaschutzes“ zeigt – und wägen Kosten&Nutzen gegeneinander ab. Die aktuellen Probleme der Realität zu lösen, hat in Japan offensichtlich hohen Stellenwert, auch wenn Vorsorge für eine ungewisse Zukunft getroffen wird – weshalb zum einen die Kernkraftwerke nach&nach wieder i.B. genommen werden und andererseits auch an Möglichkeiten zur Reduzierung von CO2-Emissionen z.B. bei Kohlekraftwerken gesucht wird (https://asia.nikkei.com/Tech-Science/Tech/Japanese-technology-squeezes-more-power-out-of-coal), sowie verschärfte Bauvorschriften gelten und ein stärkerer Küstenschutz betrieben wird. Moderner Technologie sind die Japaner aufgeschlossen, doch das Wichtigste, nämlich eine gesicherte Energieversorgung, hat in Japan einen so großen Stellenwert, da ihre überaus moderne Gesellschaft existenziell davon abhängt und selbst ein Debakel wie Fukushima-Dai’ichi (dass zwar aus einer Naturkatastrophe erwuchs, doch in seinem Verlaufe viele Einwohner misstrauischer gegen ihre Regierung und die Gefahren der Kernkraft werden ließ) sie nicht vollständig von der Kernkraft Abstand nehmen lässt – anders als das kleinmütig panisch reagierende Deutschland (https://japoneseliberty.com/2017/05/19/httpswww-eike-klima-energie-eu20170519wasserstandsmeldung-aus-japan/).

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