Fishing (釣り)

„Do not tell fish stories where the people know you; but particularly, don’t tell them where they know the fish.“ Mark Twain

行ってきます … 私は釣りに行きます (Ich verschwinde dann mal … gehe zum Angeln) sage ich zum Abschied zu meiner Frau und schlendere zum Meer.

Hier in Oiso, im Shonan-Areal am Pazifik, nicht weit weg von Chigasaki, Enoshima, Kamakura und Yokohama, herrscht ein sehr angenehmes Klima rund um das ganze Jahr herum, dessen Temperaturen auch im Winter nie in die Frostbereiche gelangen. Gutes Klima, gutes Essen, häufig aus dem Meer, und eine bezaubernde Landschaft prägen diese Gegend und seine Einwohner. Neben diversen sportlichen Aktivitäten gehen hier, wie an vielen anderen Gegenden in Japan, die Leute gern ans Meer, weniger zum Schwimmen und nicht nur zum Surfen, sondern auch zum Angeln. In meiner ursprünglichen Heimat (Spreewald) in Deutschland gibt’s gewöhnlich Nachweise und Prüfungen zum Erwerb eines Angelscheines, Kontrollen und jede Menge gesetzliche Regelungen, Fangzeiten, Mindestgrößen zum Schutze der Arten etc. pp – doch hier in Japan kann sich quasi jedermann mit ’ner Angel versehen ans Meer setzen oder an den Molen fischen (an verschiedenen Flüssen u.a. Binnengewässern mit sog. Edelfischen ist dies schon anders und es gibt hier auch von berufsmäßig organisierten Fischern geplante Bootsangeltouren aufs Meer hinaus). Die großen wehrhaften und überaus schmackhaften Jäger, ja sogar Könige des Meeres (Thun), wird der Hobby-Fischer ohnehin niemals an die Angel bekommen – auch andere Meeresgeschöpfe oder Tiere, die das Wasser lieben, erlebt man hierzulande nur im Supermarkt oder Restaurant wie den Thun, oder eher in Gefangenschaft – siehe Bild 😉

An diesem Ort in Küstennähe werden Fische aus dem Fluss als minderwertig verachtet, zumal die vielleicht einst aus Europa von den christlichen Missionaren oder auch später von anderen mitgebrachten Karpfen verdächtigt werden, für die regelmäßige Trübung der kleinen gepflegten Ponds (an buddhistischen Tempeln und herrschaftlichen Burgen) verantwortlich zu sein, in denen auch die edlen Koi schwimmen. Diese sind ohnehin als Fangbeute oder zum Verzehr tabu, so wie in Deutschland ja auch niemand Schwäne äße. Sie gelten laut Mythos als kraftvolle, gegen die Strömung schwimmende Helden und werden als familiäre Symbole und zum Lob der Jungen zum Festtag Koi Nobori 鯉のぼりals bunte Fähnlein an jedem Haus aufgehängt. Weiter westlich im Land oder im Norden gehen ein paar Sportfischer auch schon mal an und in den Flüssen angeln, um Forellen oder andere Edelfische zu fangen; von den Anglern, Sportfischern wird aber am liebsten den sportlichen Meeresjägern und auch gerne dem Oktopus nachgestellt. Wie die Japaner auch sagen: Große Fische leben nicht in kleinen Teichen. Es ist aber nicht allein die Jagdlaune zum Erbeuten eines guten Fanges, sondern auch die ganz spezielle Kontemplation, allein am Wasser mit der zerklüfteten Schönheit der Pazifikküste, mit der Natur, den Winden und sich selbst, öffnet sich der Geist und die Gedanken fliegen davon. In Hafennähe erhoffen zahlreiche Krähen und andere Vogelarten Beute, entlang der Meeres- und Flussufer kreisen die überaus zahlreichen Greifvögel und stoßen dann und wann herab, um sich einen weggeworfenen Happen oder angespülte Beute zu schnappen. Erst kürzlich erlebte der Autor mit, wie einem unvorsichtigen Buben das beliebte Matcha-Waffeleis im kühnen Angriff eines Greifvogels entrissen wurde. Ob diese Räuber wohl auch Süßspeisen mögen, mag dahin gestellt bleiben. Doch offensichtlich sind sie in der Lage, ihre Ernährung auf das umzustellen, was der Mensch so anschleppt. Schwieriger wird die Begegnung als Angler mit Wasser- und Tauchvögeln in Ufernähe, denn wer mag sich schon vorstellen, dass so ein putziges Tier sich in der Schnur verfängt … also wartet man höflich ab, bis diese Vögel ihre Ausflüge woanders fortsetzen (oder nimmt, wenn man ungeduldig ist, ein paar Steine vom Ufer zur Argumentationshilfe 😉 ).

Brandungsangeln erfordert jedenfalls mehr als nur geruhsame Betrachtung der Natur und der Angel, da Wellen und Strömungen, die Wasserpflanzen und Felsen, Gestein unter Wasser das ausgeworfene Angelgerät und die Beute gern zu ihrem Spiel machen – der Pazifik ist, entgegen seinem euphemistischem Namen, rau und ruhelos. So manches Mal holt man also Wasserpflanzen ein oder eine verirrte Seegurke (Namako 海鼠), die nicht schnell genug oder zu neugierig war, verfängt sich am Haken. Und so endet der Gang zum Meer für den Angler häufig voll von Ideen, aber leer an Beute – doch wie man in Japan auch gern sagt: Der entwischte Fisch ist immer der größte. 😉

 

 

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