Wasser und Kultur

Wasser ist in Japan das vorherrschende Element, es gibt im Überfluss davon und niemand käme auf die Idee, Wasser zu sparen (es sei denn, in Präfekturen mit exorbitanten Wasserpreisen), schon gar nicht aus Natur- oder Umweltschutzgründen. Die Japaner fokussieren – im Gegensatz zu Amerika/Europa, wo der Ökologismus mit Fantasiethemen wie „Klimaschutz“ ein völlig unangemessenes Übergewicht entwickeln konnte – auf ihre wirklichen Probleme in Umwelt-, Reaktor- und Katastrophenschutz. Wasser ist in Japan so dominant, dass es alle Aspekte des Lebens durchzieht. In der alten Shintotradition gilt es als göttlich durchwoben und wird aus naheliegenden Gründen weit mehr gepriesen und weniger gefürchtet als andere, zerstörerische Naturgewalten. Vor jedem Shinto-Schrein findet sich Wasser zur Reinigung und häufig wird eine Brücke überquert, vor der das Unreine der Seele symbolisch zurückgelassen wird. Viel Zeit am Wasser zu verbringen ist ein wichtiger Teil japanischen Lebens, so wie Bootfahren, Surfen und Angeln an vielen Stränden und Orten beliebte Freizeitbeschäftigungen sind. Die Fische aus Flüssen (im Gegensatz zu denen aus dem Ozean) zählen nicht gerade zu den hiesigen Leckerbissen, doch die japanische Küche liebt so ziemlich alles, was unter Wasser schwimmt, wächst, kriecht usw., und in so manchen Restaurants warten recht merkwürdige Kreaturen darauf, vom erwartungsfrohen Gast verspeist zu werden (s. ganz unten) 😉

Zum traditionellen Jungenfest Anfang Mai, Koi-Nobori, werden bunte Karpfen-Windsäcke am Haus aufgehängt und die Karpfen gelten von alters her als symbolisch mit aller Kraft gegen den Strom schwimmende Jungen. Volkslegenden über Flussgeister (Kappa, das Flusskind) oder mythische Meeresgeschöpfe (Ningyo) finden sich hier ebenso, wie in anderen wasserumspülten Ländern und in manchen Orten wie Arashiyama finden regelrechte Fluss-Festivals zum Lobpreis der örtlichen Gottheiten statt. Das in der Regenzeit unablässig herab rieselnde Wasser garantiert die enorme Fruchtbarkeit dieser Insel, begründet den bunt verzweigten Pflanzenwuchs und den Erfolg der Kulturpflanze Reis, die Unmengen an Wasser benötigt. Noch niemals erlebte ich ein „reinlicheres“ Land und die faszinierende japanische Badekultur hat ihren Ursprung sicherlich in dem nicht nur reichlich vorhandenen, sondern  auch in hervorragender Qualität und Temperatur aus heißen Mineralquellen schießenden Nass aus der Tiefe. Nicht nur die Menschen lieben dies, wie aus dem Jigokudani-Monkey-Park u.a. Orten bekannt ist.

Die an unzähligen Flecken vorhandenen traditionellen Badehäuser (Onsen) sind ein erfrischender Ort der Erholung und ein Balsam für die Seele. In den großen, städtischen Badeeinrichtungen kann man quasi Tage verbringen, zwischen Badehaus, Massage- und Ruheräumen und verschiedenen Restaurants. Die in Europa/Amerika von Seeleuten und aus den Gefängnissen stammende Subkultur der Tattoos, in Deutschland verbreitet unter Heranwachsenden und „Künstlern“, und in Japan unter Yakuza-Gangmitgliedern Usus, wird in den öffentlichen Badehäusern nicht geduldet. Man informiere sich vorher und achte auf die Regeln, da man fast ausschließlich von nackten Japanern umgeben ist – mehr davon in einem späteren Blog-Post. Die in den unterschiedlichsten Becken variierenden Hitzegrade und Mineralhaltigkeit des Wassers, Sauna, verschiedenste Spielereien wie Elektromassage, Whirlpool etc. bieten nasse Labsal über Stunden und immer wieder gern auch mit anschließender Ganzkörpermassage.

Ein wichtiges Detail des Lebens noch zum Schluss – einen besonderen Höhepunkt bietet die japanische Toilettenkultur. Noch nirgends fand ich – neben einfachen Stehklos, die ein gewisses Geschick erfordern – so grandios ausgestattete Örtchen, die an allen öffentlichen Plätzen, in Supermärkten und allen öffentlichen Häusern, Parks u.v.m. frei zugänglich und (fast) immer sehr sauber sind. Moderne Elektronik und eine ausgefeilte Sanitärtechnik ermöglichen nicht nur vorgewärmte Brillen, sondern auch verstellbare Duschen und einen abschließenden Fön von unten, gern auch mit musikalischer Begleitung – ein Platz, auf welchem man zur Erledigung eines dringenden Geschäfts nur zu gerne sitzt 😉

 

3 Kommentare zu „Wasser und Kultur

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