O snail climb Mount Fuji but slowly, slowly.
Kobayashi Issa
Deutschlands Bergwelt erstreckt sich südlich des Norddeutschen Tieflandes ab Weserbergland, Harz ansteigend bis zu den Alpen hinauf und wurde nach ihrer tektonischen Entstehung von Erosion sowie mehrfacher massiver Vergletscherung geformt, aus welcher uns der Lebenshauch ansteigender Wärme in unsere derzeitige Zwischeneiszeit hineinführte, deren ansteigende Temperaturen den Aufstieg unserer Zivilisationen ermöglichten. Deutschlands Berge bilden im Süden mehr oder weniger zusammenhängende Landschaften, abschließend mit Allgäu sowie dem Salzburger Land an der Grenze zu Österreich und seiner Zugspitze als höchstem Gipfel Deutschlands mit 2962 Metern. Während nun das Bergland Deutschlands keine 15% seiner Fläche ausmacht, sind in Japan mehr als 70% bewaldetes Bergland. Japan liegt in seiner durch die Tektonik verschiedenster Erdplatten zusammengepressten Form wie ein riesiges Semikolon vor dem asiatischen Kontinent. Seine Geologie ist im Prinzip den gleichen Kräften unterworfen, hier allerdings kommt noch die Gewalt vulkanischen Feuers aus dem Erdinnern hinzu. Japan besitzt über 200 teils aktive Vulkane sowie unzählige Gebirgsketten und Berge – mehrere Dutzend 3000er, an die hundert 2000er und sehr, sehr viele kleinere. Selbst japanische Alpen (日本アルプス) gibts auf Honshū – Bergbauingenieur William Gowland benannte sie während seines Aufenthalts in der Meiji-Periode so nach ihrer europäischen Erscheinung und dieser Name wurde bald auch in Japan populär.
Berge fesseln Menschen seit erdenklicher Zeit als Sitz von Göttern sowie Geistern und schon auf ältesten Darstellungen der frühest uns bekannten Zivilisationen Mesopotamiens (Sumer, Akkad) erscheinen Berggipfel. Deutschlands Gipfelwelt fand u.a. künstlerische Würdigung in den Gemälden Caspar David Friedrichs sowie Filmwerken von Fanck, Riefenstahl oder Trenker. Fujiyama/Fujisan (富士山) aber, der auch als Vater Japans spirituell und künstlerisch in unzähliger Form verehrt wird, spielt in einer höheren Liga. Eine Besonderheit zeichnet sich darin aus, dass er in seiner Majestät weit&breit ganz alleine dasteht und bei klarer Sicht von ca. einem halben Dutzend umliegender Präfekturen aus gesehen werden kann, Fujis Schönheit wird vor allem aus der Ferne bewundert – besteigt man ihn, dann ist er nicht gar so bewunderungswürdig, wenn man mal von einem grandiosen Rundblick von oben herunter absieht (man achte auf passende Kleidung und Schuhwerk!). Freilich ist es auch faszinierend, zu mancher Tageszeit durch eine dicke Wolkenschicht hindurchzusteigen und hernach über den Wolken zu stehen. Als Jahreszeit für den Aufstieg empfehlen sich die Sommermonate von Juni bis September, wenn aller Schnee oben hinweggeschmolzen ist. Jährlich sterben auch immer mal Leute bei seinem Bestieg und der nordwestlich sich dort anschließende, von morbider Mystik umwehte Wald Aokigahara (青木ヶ原), erfreut sich großer Beliebtheit unter japanischen Selbstmordkandidaten, die sich in seiner düsteren Einsamkeit vom Leben verabschieden wollen.
Der geologische Untergrund dieses 3776 Meter aufragenden Vulkankegels wurde hauptsächlich während der Epoche des Pleistozäns bereitet, zu deren Ende sich der jüngere Fujiyama unserer Zeit bildete. Brodelnd über der Subduktionszone dreier tektonischer Platten (Nordamerikanische, Eurasische, Philippinische, unter die sich noch die Pazifische schiebt) formte sich über Pre-Komitake, Komitake und älterem Fuji der heutige Fujiyama endgültig vor ca. 11000-10000 Jahren. Fast 20 Ausbrüche dieses Schichtvulkans wurden bis dato dokumentiert und die letzte große Eruption (1707) in der Edo-Zeit stand am Anfang einer kleinen Eiszeit, unter welcher – wie dortige Bewohner in der etwas früher beginnenden europäischen kleinen Eiszeit – die Menschen enorm litten und dringend das herbeisehnten, was heute im dekadenten Westen als Global Warming in Verruf geriet. Die bezaubernd diesen Vulkan umgebende Seenlandschaft der Fujifünfseen – Fujigoko: Yamanakako, Kawaguchiko , Saiko, Shojiko and Motosuko – erhielt auch durch gewaltige Vulkanausbrüche ihre heutige Gestaltung und zeugt damit, neben Schluchtenkratern, Ausbuchtungen und besonderen Hügelkuppen an den Flanken, von seiner gewaltig eruptiven Vergangenheit.
Fujis Zauber erwirkt eine Faszination, die ihn nicht nur zu einem Gipfel der Spiritualität macht, sondern eine ganz besondere Form der Verehrung erweckt (富士信仰, Fuji shinkō – Fuji-Glaube). Fujisan wird seit über 2000 Jahren durch eine besondere Gottheit geheiligt (Asama no ōkami 浅間大神), der in ganz Japan mehr als tausend Schreine gewidmet sind. Dieser ‚Zauberberg‘ ist quasi bepflastert und umstellt von vielen Altären sowie Shintō Schreinen und seine Besteigung gilt als spirituelle Reinigung, denn im Glauben vieler Japaner bildet er eine Verbindung zwischen Himmel und Erde. Japanischer Religiosität nahezukommen ist nebenbei vermerkt für Außenstehende kaum möglich (vgl. https://t1p.de/sm5z0), versuchen Sie’s also gar nicht erst, wenn Sie nicht in Japan leben. Fujiyamas besondere Faszination speist sich aus dem Zusammenfließen verschiedener Aspekte wie vor allem: seine einzigartig schöne, kegelförmige Pracht, die alleinstehend ringsum alles überragt und seine in allen japanischen Seelen verankerte Shintō Heiligkeit, die noch höher anzusetzen ist, als die des Tenno. Für weiteres empfiehlt sich ein Besuch des Mt. Fuji World Heritage Center Fujinomiya.
PS: Es gibt hier in Asien sowie weltweit eine Reihe von Bergen, die sich als „Fujiyama von …“ verkaufen wollen, aber glauben Sie mir – die sind jeweils nur zweit- bis drittklassig; Fujiyama bleibt, inzwischen auch als UNESCO Weltkulturerbe, ein Unikum.














