Sakura&Hanami (桜&花見 – Kirschblüte)

Heutzutage verbindet jeder Japan-Interessent etwas mit dem Zauber des japanischen Sakura 桜, doch entwickelte sich dies für eine etwas breitere Schicht unterhalb der Aristokratie in Japan erst ab ungefähr dem Beginn des Tokugawa-Shogunats von 1603 an, und für weitere Kreise der japanischen Bevölkerung erst seit der späteren Edo-Periode (1615 – 1868) zu einem Freizeitvergnügen, und zwar auch deshalb, weil mit der Reichseinigung durch Tokugawa die zerstörerischen Kriege zwischen den Daimyo 大名, den Feudalherren und Kriegsfürsten (Shogun 将軍) endeten, eine lange Zeit des Friedens anbrach und die Leute sich um mehr als ihr tägliches Überleben kümmern und etwas Genuss darin einfließen lassen konnten. Das alltägliche Leben wurde durch Bauern mit deren harter Arbeit und ihren Ernten, hauptsächlich Reis, getragen. Die Freude über den Anblick verschieden bunter Blüten (neben Sakura vor allem Ume 梅 – eine aus China überlieferte und mit diesen Fruchtbäumen [Ume gehört zu den Aprikosen, wird aber japanische Pflaume genannt] mitgebrachte Tradition, blüht noch vor Sakura) wird zwar schon in frühen Poems aus der Nara-, und Heian-Periode  (710 – 1185) besungen, wurde aber als kulturelles Vergnügen in den alten Zeiten nur von den Aristokratenfamilien zelebriert. In Edo und seinen Herrschaftsbereichen begannen erst der große Shogun Tokugawa und seine unterstellten Fürsten (Daimyo) mit der Bepflanzung weiter Alleen mit besonders schön blühenden Bäumen (o.e. Sakura, welche zwar in Europa durch die Kirschblüte/cherry blossom bekannt wurden, die aber keinesfalls Kirschen tragen, da diese Gewächse eher Zier- oder Blütenkirschbäume sind), um zur Blütezeit diesen prächtigen Anblick zu genießen. In Kyoto hatte laut Überlieferung Toyotomi Hideyoshi – neben Oda Nobunga und dem späteren, wahren Shogun Tokugawa einer der drei berühmten Reichseiniger – im Jahre 1598 ein spektakuläres Hanami-Vergnügen für seine Feudalherren und ihren Anhang ausgerichtet. Ueno in Tokyo, nicht weit von Edo, wurde die erste und bis heute wichtige, mit Sakura-Bäumen bepflanzte Gegend, in welcher sich die Menschen bis zu diesen Tagen zu Hanami 花見 versammeln (Hanami bedeutet „Blüten anschauen“ und wird ausschließlich für Sakurablüten verwendet). Diese Tradition wurde in moderner Zeit zu einem Vergnügen für alle Japaner und entwickelte sich zu einem kulturellen Ereignis, zu einem kalenderbestimmenden Zeitrahmen, in welchem  die weiß-rote Blütenpracht seit vielen Generationen den Frühling einläutet, so wie der rötliche Laubverfall den Herbst ankündigt (unbeeindruckt von dekadent-modernistischer Global-Warming-Spekulation, die von Vielen hier in Japan nur als eine Methode betrachtet wird, mehr Profit aus dem Geschäft mit der Energieerzeugung zu schlagen).

Sakura ist im heutigen Japan auch von Geschäftstüchtigkeit geprägt, auf allen Sendern wird über die von Süd nach Nord ziehende Blütenfront berichtet, jedes Jahr erscheint zur Hochblüte ein Kalender und die Geschäfte und Waren werden mit Sakura-Symbolik geschmückt. Die atemberaubende Schönheit der so zahlreich blühenden Bäume ist aber auch wirklich unvergleichlich bezaubernd. Tatsächlich befindet sich weltweit die Mehrheit der Sakura-Bäume in Japan und sie machen hier im Lande selbst vielleicht die Hälfte aller Laubbäume aus (so einige landesinterne Schätzungen, die ich nicht extra nachprüft habe). Hanami-Partys im Freien, unter den Blüten sind gesamtgesellschaftliche Ereignisse, welche den Japanern auch im Angesicht eines nicht einfachen Lebens dessen Dynamik und Potential bunt vor Augen führen und feiern lassen. Gekennzeichnet sind sie zu diesen Tagen im Prinzip durch viele fröhliche Leute, ein gewaltiges Blütenmeer, Picknick und jede Menge Alkohol, da die Leute in ihrer recht knapp bemessenen Freizeit auch gern das Schöne mit dem Angenehmen verbinden, um der anspruchsvollen Mühsal des Alltags zu entfliehen … 😉

Ist nun ein solches Volk wie die Japaner, die sich an den kleinen, schönen Dingen wie zu Sakura erfreuen können, die den alten Wunsch nach asiatischer Oberherrschaft aufgaben, die sich mehr oder weniger heutigentags auf sich selbst und ihre realen Probleme konzentrieren und der Weltläufte Unbill ignorieren, eher zu bedauern oder zu beneiden im Gegensatz zu den Deutschen? Diese schwingen sich in ihrem wiederkehrenden Hang zu Größe (Oder passt hier nicht schon besser Größenwahn?) dazu auf, die Welt retten („Klimaschutz“, Fluchtursachen von Afrika bis Afghanistan bekämpfen) zu wollen, während sie durch ihre willkürlichen politischen Maßnahmen die wachsende Entfremdung Europas Nationen vorantreiben und international in Bildungstrends wie TIMMS immer weiter da absinken, wo ostasiatische Staaten nicht nur aufholen, sondern inzwischen an der Spitze stehen.

 

 

 

(see also „Sakura and Hanami“ by Shirahata, Yozaburo; and … https://www.japantimes.co.jp/news/2016/03/14/reference/the-centuries-old-charm-of-japans-cherry-blossoms/#.WsQpD5cuDIU )

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