Shinkansen (新幹線)

„Even in 1963, only a year before opening, the director-general of the Construction Department of JNR, stated to new JNR employees: The Tokaido Shinkansen is the height of madness.“ (Christopher P. Hood Shinkansen: From Bullet Train to Symbol of Modern Japan)

Prinzipiell ist dies ein einfaches und effizientes Schnellverkehrssystem, seit Jahrzehnten (Guten Morgen DB 😉 ) bewährt und bekannt für seine zuverlässigen Zugverbindungen, die entlang der Strecken ihre eigenen Trassen und vornehmlich Japans Hauptinsel Honshu befahren – von Nordost bis Südwest verlaufen die wichtigen Shinkansen-Strecken und zwei kleinere (Mini) unter folgenden Namen:

– Hokkaido

– Tohoku

– Joetsu

– Hokuriku

– Tokaido

– Sanyo

– Kyushu

– Nishi-Kyushu

– Akita (Mini-Shinkansen)

– Yamagata (Mini-Shinkansen)

… doch eben nicht mehr ausschließlich nur auf Honshu, wie oben zu erkennen ist – eine zwar weniger wichtige und frequentierte Verbindung zur Nordinsel Hokkaido existiert inzwischen auch, gebaut als Verlängerung der Shinkansenlinie Tohoku, der Hokkaido-Shinkansen; ursprünglich geplant von Tokyo über Aomori bis Sapporo, fertiggestellt ist zur Zeit nur bis Hakodate, der südlichsten Stadt auf jener nördlichen Hauptinsel; der schnellste der Shinkansen-Züge, Hayabusa (siehe Titelbild; erreicht hier bis zu 320 Km/h), bewältigt die Nordstrecke Tokyo-Shin-Aomori in nur 189 Min.

 Es klingt dramatisch für DE und verwunderlich, warum in seinem einst für Ingenieurskunst gelobten Lande, in welchem nach England, Frankreich und Belgien die erste Bahnstrecke Europas 1835 zwischen Nürnberg und Fürth eröffnete, keine Bahngesellschaft so etwas mehr hinzubekommen in der Lage erscheint und sein Bahnsystem dank politischem Versagen sowie inkompetentem Management sozusagen verkommt – traurig ist das, doch passt offenbar in dieses tragische Erscheinungsbild eines dank Unfähigkeit, Überambition bis Anmaßung an der Realität scheiternden Landes. Hier in Japan jedenfalls konzentrieren sie sich auf das, was sie können und Zugverkehr können sie in herausragender Art&Weise.

 Eine sprichwörtlich minutengenaue Pünktlichkeit ihrer Züge (wenn die Abfahrt für 11.35 Uhr angekündigt wird, dann fährt dieser Zug tatsächlich 11.35 Uhr ab – Guten Morgen DB 2 😉 ) findet man nicht nur bei Shinkansen, sondern bei allen Fahrbetrieben hier; sie ist so legendär wie es ein skurriler Rechtsstreit wurde, den ein Lokführer gegen seine Bahngesellschaft erfolgreich führte (unglücklicherweise verstarb dieser auf seinem Recht beharrende Alltagsheld vor Urteilsverkündung) – aufgrund ihm ungerechtfertigt erscheinenden Verdienstabzuges wegen einer einzigen Minute Verspätung, nach seiner Argumentation ohne eigenes Verschulden, woraufhin ihm seine Firma den Lohn um 43¥ (35-40 Cent) gekürzt hatte (https://t1p.de/xp0yf).

 Shinkansens vorne bizarr geformten, doch sicherlich aerodynamisch perfektioniert in schnabelförmiger Prägung zulaufenden, Triebwägen werden streckenweise über 300 Km/h schnell und bringen die Fahrgäste mit präzisem Takte hin und zurück. Es gibt hauptsächlich nur jeweils ein oder zwei Spuren in ihre Richtung, die in spezifischer Spurbreite auf separierten und voll elektrifizierten Schnellzugtrassen verlaufen und üblicherweise keine Verknüpfung zu anderem Zugverkehr haben, außer den geteilten Bahnhofsgebäuden. Effektiv und einfach wird hier zu jedem Aspekt organisiert und geordnet – Information auf JR-websites stehen auch auf Englisch zur Verfügung und es gibt Auskunft willige Schalterbeamte an den Shinkansen-Bahnhofschaltern; Tickets mit ihren Codes eröffnen den Zugang zur jeweiligen Plattform; von einem Bahnsteig fährt der Zug in diese Richtung und vom Bahnsteig gegenüber in die andere; dazwischen sausen ungerührt und häufig ungebremst die Shinkansen auf ihren Geleisen hindurch, die nicht in diesem Bahnhof halten. Es ist jedes Mal beeindruckend, wenn solche Züge im wahrsten Sinne des Wortes hier entlang donnern (Bullet-Train! .. siehe Video-Clip im Anhang). Sitzt du in einem dieser Züge und in Gegenrichtung saust ein anderer an dir vorbei, dann erbebt der gesamte Waggon, die Fenster vibrieren und der Schall drückt aufs Trommelfell – faszinierend. Wir nahmen kürzlich hier die Gelegenheit für einen gesponserten Betriebsausflug (mittejapan.com) wahr – gerade über längere Strecken sind die Preise auch schon mal so hoch, dass viele Japaner stattdessen ins Flugzeug steigen – und fuhren samt verpackten Fahrrädern Richtung Westen entlang der historischen Strecke Tokaido und Route 1 mit einem Shinkansenzug der neueren Generation N 700/Supreme nach Toyohashi in der Aichi-Präfektur. Es passte alles sehr gut zusammen, gelang eben genau so, wie es mir schon von anderen Fahrgästen vorgeschwärmt worden war (abgesehen davon, dass entlang unserer Strecke Fujisan sich hinter Wolken verbarg, doch das ist sehr häufig so, besonders klare Postkartenansichten sind selten). Wesentliches wurde so verlässlich wie pünktlich angesagt, erledigt und kann hiermit nur wärmstens demjenigen weiterempfohlen werden, der stressfrei in Japan von A nach B über längere Strecken gelangen will.

 Wichtig sind für die zumeist geschäftlich reisenden Passagiere vor allem  die Verbindungen von Tokyo mit den weiter westlich gelegenen Metropolen, wie dies schon in Japans Historie der Verbindungsweg Tokaido sicherstellte, der auch einen Teil der Shinkansen-Strecke entlang läuft – von einigen Abschnitten in den Präfekturen Kanagawa und Shizuoka lässt sich an wolkenlosen Tagen der immer wieder einzigartig aus verschiedener Sicht erscheinende Fujisan bewundern (https://t1p.de/jvp7l).

 Shinkansen-Schnellzüge sind vor allem so praktisch wie stabil gebaut und relativ einfach organisiert; gedacht vor allem für diejenigen, die schnell und sicher ohne eigene Fahrleistung, dafür allerdings mit finanziellem Mehraufwand, zuverlässig an ihr Ziel kommen wollen. Größeres Sperrgepäck ist nicht zugelassen, üblicherweise also auch keine herkömmlichen Fahrräder (wir hatten daher unsere kleinen Dahon-Klappräder in ihre speziell dafür gefertigten Taschen verpackt). Es stehen nicht in jedem Zuge Steckdosen, USB-Anschlüsse (offenbar wird hier einfach davon ausgegangen, dass die Leute mit ihren Mobilgeräten heutigentags selbstständig genug sind, beziehungsweise ein solcher Mehraufwand für kurze Verbindungen gar nicht nötig erscheint) oder gar Bord-Bistros zur Verfügung; alle Informationen können über QR-Codes eingesehen werden, die Internetverbindungen sind ausreichend stabil und gewöhnlich findet sich zwischen den Waggons ein kleines Steh-Raucherabteil, da alle Züge als Nichtraucher deklariert werden (ein offenbar von westlicher Mode übernommener Aspekt, der verstärkt seit den gefloppten Tokyolympics/https://t1p.de/3z6y gerade in Japans Metropolen auch in Restaurants u.a. dominant wurde; doch eigentlich gibt’s in Japan bis heute sehr viele Raucher). Eher spartanisch offenbaren sich also die Waggonabteilungen innen – hinter der Tür eine schmale Nische für etwas sperriges Gepäck (wie unsere verpackten Klappräder) mit Klappstühlen an der Wand; ein Gang in der Mitte; jede Reihe mit Fensterluken, die sich nicht öffnen lassen wie im Flugzeug (natürlich arbeiten die Klimaanlagen fehlerfrei – Guten Morgen DB 3 😉 ); rechts zwei Sitze, links drei und die Sitzreihen lassen sich gar mittels einfacher Hebelung in ihrer Bodenverankerung um 180 Grad herumdrehen, wenn der Zug in die andere Richtung geht – es steht also alles das zur Verfügung, was die Reisenden sicher, schnell und hinreichend bequem an ihr Ziel bringt.  

 Summa summarum: Shinkansen sind sehr zuverlässig, überaus pünktlich und haben somit alles das in den wichtigsten Aspekten, die Bahnverbindungen ausmachen, was deutsche Züge nicht mehr haben.

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