Cycling – サイクリング

J. F. Kennedy: “Nothing compares to the simple pleasure of a bike ride.”

Japans Nordinsel Hokkaido ist zum Fahrradfahren sehr gut geeignet – lange, breite Straßen über flaches Land und wunderbare Fahrradstrecken (hier hält sich auch noch die Tradition, ein lautes Glöckchen am Lenker zu haben – zur Abschreckung von Bären, die nicht ungefährlich sind im Gegensatz zu den meisten Leuten, denen man auf der Straße begegnet).

Auf der Hauptinsel Honshu stellt sich die Lage etwas anders dar. Die Landschaft mit dem rauschenden Pazifik auf der einen Seite, das quasi immergrüne Land, die Berge und besonders der alles überragende Fuji bieten zwar in einigen Präfekturen die schönste Kulisse zum visuellen Genuss beim Radeln – wenn da nicht zwischendurch immer wieder Monstertrucks und Dickhead-SUVs auf engen Straßen an einem vorbeirauschten (so nahe, dass der Herzschlag stockt und das rechte Ohr vom Metall des riesigen Boliden brennt) oder ein Anstieg je steiler wird desto weniger Zeit man für diesen einplante. Honshus Geografie ist gekennzeichnet durch die seit Jahrmillionen andauernde Gewalt der Kontinentalplatten, die dieses bezaubernde Eiland zusammenpresst/auseinander reißt und verhältnismäßig wenig ebene Flächen oder gar endlose Weiten zum Ausradeln per Pedali bietet. Man sollte sich zum Entspannen als Freizeitradler also eine Strecke irgendwo im Strandbereich wählen, die nicht vom Wind des Pazifik und dem üblicherweise sehr feinen, vulkanisch dunklen Sand bedroht wird oder einen der wohl präparierten Radwege entlang der Flüsse für Fahrradtouren aussuchen.

Die Straßen teilt man sich für gewöhnlich mit Autos und Motorcyclern und die japanischen Fahrer sind je nach Tagesform durchaus diszipliniert – vor allem beachten sie im Gegensatz zu anderen asiatischen Ländern Ampeln und eine gewisse Grundordnung (ich persönlich kenne zum Vergleich nur das Straßenchaos von Thailand und Ceylon, wo das Prinzip eines motorisierten Wettstreits zu gelten scheint, dass derjenige verliert, der bremst, aber ich habe noch Schlimmeres von Indien, Indonesien und Vietnam vernommen). Ein wachsendes Problem bilden hier allerdings immer ältere Autofahrer, die zwar noch von ihrer Fahrtüchtigkeit überzeugt sind, aber diese Illusion irgendwann zum Preis von viel demoliertem Blech oder Schlimmerem aufgeben müssen, da sie letztlich doch zu gefährlich für andere Verkehrsteilnehmer agieren. Es gibt inzwischen auch immer mehr breite Spuren neben der Fahrbahn abgetrennt, da Zweiräder sichtlich immer häufiger genutzt werden und zu jedem Haushalt eigentlich auch Fahrräder gehören. Hohe Luftfeuchtigkeit und die Regenzeit fordern allerdings ihren Tribut und so überfällt schon nach kurzer Zeit der Rost die nicht ganz so teuren Gebrauchsräder, die außerhalb des Hauses geparkt sind. Die hervorragender Technik immer aufgeschlossenen Japaner nutzen aber auch sehr hochwertige Räder, die sie dementsprechend gut behandeln, pflegen und lagern. Entlang der Ortschaften und wichtiger Strecken wie Route No.1 werden gut ausgestattete Fahrradgeschäfte und -werkstätten unterhalten, in denen sowohl gutbetuchten Kunden, als auch reparaturbedürftigen Radlern hervorragend geholfen werden kann. Die Leute haben in den Ortschaften nichts dagegen, wenn die Radfahrer sich den Bürgersteig mit ihnen teilen – anders waren meine Erfahrungen in Berlin, wo ich selbst als geruhsamer Radler manchmal dem aggressivsten Zorn frustrierter Fußgänger ausgesetzt war (von manchem Autofahrer auf der Straße nicht zu reden). Für den Geschäftsbereich in den Großstädten etabliert sich auch in Japan der Zustelldienst per Fahrrad … https://bit.ly/2tl9VFS

In Japan sind die Leute sehr mobil, viele nutzen ein Auto (sehr viele Hybride und PS-starke SUVs von Wohlhabenden, aber auch Kleinwagen aus Platz- und Steuergründen), doch noch mehr den hervorragend ausgebauten und üblicherweise reibungslos funktionierenden Nahverkehr mit Zügen, denn die ausschließlich für den Autoverkehr zugelassenen Highways sind nicht nur sehr teuer – hier in Japan funktioniert im Gegensatz zu Deutschland das Mautsystem anstands- und unterschiedslos – sondern auch zu den unpassendsten Zeiten sowie immer in den Stoßzeiten am Morgen und abends vom Stau bedroht. Das Fahrrad in den o.e. Zügen mitzunehmen ist allerdings nicht möglich. Zwar finden sich in größeren Orten auch Leihräder, doch für längere Strecken sind diese, auch aufgrund ihrer standardisiert klobigen Bauweise, wenig geeignet. Es ist also auf Honshu eher so, dass die Radler (wie auch die Surfer) mit dem Auto dahin fahren, wo sie weiterer Lust frönen können. Zahlreiche Gasthäuser mit allen möglichen Ablenkungen und Leckereien – die Japaner haben eine unvergleichlich facettenreiche Welt an kulinarischem und anderem Genuss entwickelt – bieten ausreichend Stellplätze und spezielle Rahmen zum Einhängen der Räder und es gibt sogar in den Ortschaften große Parkhäuser für Fahrräder nicht weit weg von den Bahnstationen. Angenehmes Klima (außerhalb der Regen- und Taifunzeit), eine faszinierend schöne Natur sowie eine gut ausgebaute Infrastruktur machen das Fahrradfahren in Japan also gewöhnlich zu einem sehr angenehmen Zeitvertreib und mit genügend Anstrengung bringt einen das Zweirad an die meisten Ziele.

 

 

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