Kuki Shûzô, Reflections on Japanese Taste „The Structure of Iki“ (いきの構造)

Kuki Shûzôs (1888–1941) „The Structure of Iki, Reflections on Japanese Taste“ (いきの構造, „iki“ no kōzo ) beschreibt Entwicklungen im japanischen Denken und Leben, die in Edo gegen Ende des 17. Jahrhunderts begannen und besonders in iki ihren Ausdruck fanden. In Übersetzungen wird iki häufig umschrieben mit Exzellenz, Eleganz, Verfeinerung, Koketterie, Vitalität, Ritterlichkeit, Charme und anderem mehr; Kuki beschreibt iki „als bemerkenswerte Selbstdarstellung einer spezifisch östlich sich verstehenden Kulturströmung, die ihren Ursprung im Yamato-Mythos hat.“ (The Structure of Iki, Introduction p.33)

Wie Kuki in Bezug auf iki noch vermerkt, gibt es auch in anderen Sprachen Begriffe mit einer besonderen Semantik, wie esprit im Französischen oder Sehnsucht im Deutschen, die sich nicht so leicht in andere Sprachen übersetzen lassen.

An die 7 Jahre verbrachte Kuki in Europa (Heidelberg, Paris und andere Orte) und mit seinem familiären Hintergrund einer wohlhabenden Familie mit guter Bildung, genoss er nicht allein das Leben eines Dandy, sondern konnte auch gute Kontakte zu außergewöhnlichen Philosophen seiner Zeit knüpfen (Husserl, Bergson, Heidegger, Sartre) und dabei ihre Ansichten über Zeitlichkeit und weitere Begriffe studieren. Obschon er nicht allein reiste, war er doch persönlich offenbar fasziniert vom Glanz der Dekadenz, von Kunst und Sex Appeal des Pariser Nachtlebens in den 20er Jahren. Und sicherlich lernte er auch bestimmte Unterschiede zu Japan kennen, so wie andersherum einst Bernhard Kellermann zum Beispiel über den unvergleichlichen Liebreiz japanischer Frauen schrieb (Ein Spaziergang in Japan, 1910: „Sie kokettierte mit einer Anmut, die eine Europäerin nie erreicht.“- das ist übrigens bis auf den heutigen Tag so 😉 ). In Paris hielt er nicht nur Vorträge, schrieb Liebesgedichte und mehr, sondern begann auch mit seiner Arbeit über Ästhetik unter dem Titel „Das Wesen von Iki“. Gibt Kuki nun seinem westlichen Publikum eine Definition von iki? Seine Bemerkungen darüber mögen rätselhaft bleiben.

„… wenn wir eine Erklärung zum Wesen von iki gegenüber einem Ausländer versuchen, der nichts von der japanischen Kultur weiß, dann drängen wir ihn durch eine konzeptionelle Analyse von iki immer in eine bestimmte Haltung. Und er muss dann seinerseits die Gelegenheit ergreifen, das Wesen von iki intuitiv einzuschätzen. […] Einfach gesagt, kann iki begründet werden aus der Hermeneutik seines ethnischen Wesens. […] Könnten wir iki als ein Bewusstseinsphänomen der westlichen Kultur beschreiben? Wenn man die Rahmenkonzeptionen dieser westlichen Kultur betrachtet, kann die Antwort darauf nur negativ sein.“ (The Structure of Iki, Conclusion p.114 et sqq.)

Kukis „Reflections …“ beleuchten eine blühende Periode des alten Japan und können daher verglichen werden mit einigen Aspekten in Stefan Zweigs historischer Rückschau in „Die Welt von Gestern“.

Iki als Begriff existiert auch im heutigen Japan noch, doch was sagt dies den Japanern? Darüber kann ich wenig berichten, doch weiß ich, dass es niemals in Verbindung mit Frauen benutzt wird. Es beschreibt wohl eher die Atmosphäre, die ein Mann mit besonderem Gestus und Dress verbreitet, der als „Iki-Person“ angesehen wird.

(Das Buch ist wohl nur noch antiquarisch und in guten Bibliotheken zu bekommen. Ein Mann wurde mir als prominentes Beispiel einer Iki-Persönlichkeit bezeichnet – Matsumoto Koshiro aus einer berühmten Kabuki-Schauspieler-Dynastie …

https://bit.ly/2IHGqH4 )

 


 

Kuki Shûzô’s (1888–1941) „Structure of Iki, Reflections on Japanese Taste“ (「いき」の構造, „iki“ no kōzo ) deals with a certain development of Japanese thinking and life starting in Edo from the end of 17th century onwards and particularly found their expression in iki. In translation, iki  is often defined as excellence, elegance, refinement, coquetry, vitality, chivalry, charm, and more; Kuki describes iki „as a remarkable self-manifestation of the specific mode of being of Oriental culture, or rather, of the Yamato people.“ (The Structure of Iki, Introduction p.33)

But, Kuki notes, much like esprit in French or Sehnsucht in German, the word iki contains specific semantics which may not to translate into any other language.

Having lived in Europe (Heidelberg, Paris, and elsewhere) for about seven years, and coming from his familiar background in wealth and education, Kuki not only experienced the life of Dandyism but also enjoyed proximity to outstanding Western Philosophers (Husserl, Bergson, Heidegger, Sartre), allowing him to explore their philosophic thinking regarding temporality and more. He didn’t come alone but he was obviously fascinated by the splendor of decadence, art and sex appeal of Parisian night life in the 1920s. And he will have experienced important differences to Japan as well as vice versa Bernhard Kellermann for example once wrote about unrivaled grace of female Japanese (Ein Spaziergang in Japan, 1910: „Sie kokettierte mit einer Anmut, die eine Europäerin nie erreicht.“ – and this is so to this day 😉 ). In Paris Kuki did not only hold lectures, wrote love poems and more but also started to work on his draft on aesthetics: „The Essence of Iki“. But does Kuki offer a definition of iki to his Western audience? His answers may remain a riddle.

„… when we explain the being of iki to a foreigner who knows nothing of Japanese culture, we place him in a definite position through the conceptual analysis of iki. He must then take the opportunity to appreciate intuitively the state of being iki with his own ‚inner sense‘. […] In a word, the study of iki can only be constituted as the hermeneutics of ethnic being. […] So can we find iki as a phenomenon of consciousness in Western culture? Considering the framing conceptual moment of Western culture we can only expect a negative response.“ (The Structure of Iki, Conclusion p.114 et sqq.)

Kuki’s „Reflections …“ throw light into an old prospering Japanese period and therefore might be comparable to aspects of Stefan Zweig’s historical review in „Die Welt von Gestern“.

Iki still exists in Japan nowadays; what does this mean to the Japanese? I may never know for sure, but I do know that it is never used to describe a woman, rather a certain sense of atmosphere surrounding a man in special gesture and outfit referred to as an “Iki-person.“

(One example Japanese referred to as iki-person is Matsumoto Koshiro from a famous family of Kabuki actors; https://bit.ly/2IHGqH4 )

 

 

 

 

 

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